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Neue Ausbreitung der Babesiose - Hundemalaria

 

Im Frühjahr steigen die Gefahren der durch Zecken und Mücken übertragenen Krankheiten. Diese können akut bis tödlich verlaufen !!

Durch die Klimaveränderung werden in Deutschland neue Zecken- und Mückenarten heimisch. Hierzu zählen unter anderem die Dermacentor-Zecken, die auch Auenwald-Zecken genannt werden, und die Phlebotomen, die auch als Sand- oder Schmetterlingsmücken bekannt sind. Diese Parasiten sind Überträger gefährlicher Krankheitserreger. Damit steigt bei uns auch für Hunde die Gefahr schwerer bis tödlich verlaufender Infektionskrankheiten. Das gilt insbesondere für die gefährliche Babesiose, die Hundemalaria, aber auch für die Leishmaniose, an der sowohl der Mensch als auch der Hund erkranken können. Stellten bis vor einigen Jahren nur die durch unsere heimischen Zecken Ixodes ricinus übertragenen Erreger, wie Borrelien oder FSME-Viren, eine Gefahr dar, so hat sich das Spektrum der durch Blut saugende Parasiten übertragenen Krankheiten erheblich erweitert. Neben der Borreliose und FSME treten immer häufiger Babesiose-Hundemalaria, Hunde-Anaplasmose, Ehrlichiose, Leishmaniose, Dirofilariose und Hepatozoonose auf. Die Erreger der Hundemalaria und Hunde-Anaplasmose sind bereits in vielen Gebieten in Deutschland heimisch. Die Ehrlichiose, Leishmaniose, Dirofilariose und Hepatozoonose gelten noch als Reisekrankheiten und werden bisher nur in Ausnahmefällen in Deutschland übertragen.

 

 Durch Zecken und Mücken übertragene Krankheiten

Borreliose, FSME und die Hunde-Anaplasmose werden durch unsere heimische Zecke Ixodes ricinus - auch Holzbock genannt - übertragen. 

Borreliose kann beim Hund Gelenkentzündungen mit wechselseitigem Hinken bewirken.

FSME - Viren verursachen - anders als beim Menschen - beim Hund nur ganz selten Symptome.

Bei der Hunde - Anaplasmose werden die weißen Blutkörperchen zerstört. Ihre Symptome sind Fieber, Gewichtsverlust, Schlappheit, Ödeme in den Gliedmaßen, Blutarmut und eine Beeinträchtigung des Zentralnervensystems. Unbehandelt verläuft sie schwer bis tödlich.

Babesiose - Hundemalaria wird in Deutschland durch die Dermacentor - Zecke übertragen. Sie ist eine malaria - ähnliche Infektionskrankheit. Ihre Erreger sind Blutparasiten und zerstören die roten Blutkörperchen. Gelbsucht und Anämie sind die Folge. Unbehandelt verläuft sie in der Regel tödlich.

Ehrlichiose wird durch die Zecke Rhipicephalus sanguineus, die braune Hundezecke, übertragen. Sie führt zu einer Verminderung der Blutplättchen und damit zu Blutungsneigungen. Fieber, Appetitlosigkeit, Schlappheit und eine Vergrößerung der Lymphknoten sind die Folge. Unbehandelt verläuft sie schwer bis tödlich.

Hepatozoonose ist sehr selten und wird ebenfalls von der Zecke Rhipicephalus sanguineus übertragen. Die Übertragung erfolgt nicht durch Stich, sondern nur dann, wenn der Hund die infizierte Zecke von seinem Fell abbeißt und frisst. Starke Abmagerung, Fieber und Schmerzen in den Muskeln und Knochen sind die Folge. Unbehandelt verläuft sie schwer bis tödlich.

Leishmaniose wird von Phlebotomen (Sandmücken) übertragen. Sie ist bisher in Deutschland nur in Einzelfällen aufgetreten und gilt noch als Reisekrankheit. Haut, Knochenmark, Nieren, Milz, Leber und Lymphknoten werden durch sie geschädigt. Sie verläuft chronisch bis tödlich.

Dirofilariose, die Herzwurmkrankheit, ist ebenfalls eine Reisekrankheit und wird durch Culiziden (bestimmte Stechmücken) übertragen. Die Herzwürmer können bis zu 20 cm lang werden und parasitieren in den Lungenarterien und der rechten Herzkammer.

 

Vorbeugen ist besser als heilen - Repellentien, der beste Schutz

Tierhalter sollten ihre Hunde vom Frühjahr bis Ende Herbst und ganzjährig auf Reisen in südliche Länder vor Zecken- und Mückenstichen schützen. Das alleinige Absammeln der Parasiten vom Fell des Hundes genügt nicht. Viel zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, hierbei einzelne infizierte Zecken zu übersehen. Das gilt insbesondere für Larven und Nymphen. In der Regel werden sie erst nach tagelanger Blutmahlzeit erkannt. In dieser Zeit können sie gefährliche Erreger auf den Hund übertragen, ohne dass es der Hundehalter bemerkt. Im Gegensatz zu Zecken übertragen Mücken sofort ihre gefährlichen Erreger. Sowohl bei Zecken als auch bei Mücken reicht ein einziger Stich aus, um die gefährlichen Krankheitserreger zu übertragen. Am zuverlässigsten schützen deshalb Arzneimittel, die nicht nur über eine abtötende Wirkung verfügen, sondern auch eine abschreckende Wirkung aufweisen, den sogenannten Repellenteffekt. Damit können sowohl Zecken- als auch Mückenstiche verhindert werden. Am häufigsten werden diese Arzneimittel als Spot on-Präparate direkt an einem oder mehreren Punkten auf die Haut des Hundes aufgetragen und verteilen sich über den ganzen Körper. Die Wirkstoffe bilden nach kurzer Zeit einen Schutzfilm an den Haaren und der oberen Hautschicht. Gelegentliches Baden oder Schwimmen vermindern ihre Wirkung nicht, die im Regelfall über vier Wochen anhält.

Die Hundebesitzer bewahren durch diese Prophylaxemaßnahmen ihr Tier nicht nur vor den gefährlichen Infektionskrankheiten, wie der Hundemalaria, sondern schützen sich auch selbst. Wenn Zecken Hunde meiden, können sie auch nicht als "Trojanisches Pferd" die Parasiten in die eigene Wohnung oder das Haus einschleppen. Der Mensch kann zwar nicht an Hundemalaria erkranken, ihm drohen aber die für ihn ebenso gefährliche FSME (Frühsommer - Meningoenzephalitis) oder eine Borrelioseinfektion.

 

 Zecken-Borreliose beim Hund

 

Wer im Sommer mit seinem Vierbeiner durch Wälder, Wiesen und Parks streift, sollte daran denken, dass Zeckenbisse nicht nur für den Menschen gesundheitliche Folgen haben können.

 

Die Zecken-Borreliose (Lyme-Borreliose) ist eine vor allem chronisch verlaufende, schwierig zu diagnostizierende, bakterielle Infektionskrankheit beim Hund.

Die Erreger der Borreliose sind Borrelien (Spirochätenart). Dabei handelt es sich um winzige, korkenzieherartige Bakterien. In Europa spielen drei Borrelienspezies eine Rolle:

                     Borrelia burgdorferi sensu stricto (weltweit vorkommend)

                      Borrelia afzalii (nur in Europa)

                      Borrelia garini (nur in Europa)

 

Ansteckung

Die Borreliose kann von allen bekannten Zeckenarten auf den Hund übertragen werden. Eine Ansteckungsgefahr herrscht praktisch überall, wo es mit Borrelien infizierte Zecken gibt.

In stark befallenen Gebieten trifft das auf jede dritte Zecke zu. Sie halten sich vor allem in Laub- und Mischwäldern, auf Lichtungen und an Waldrändern mit Gräsern und in Gebieten mit viel Buschwerk auf. Es gibt sie auch in Hausgärten und städtischen Parks, nicht aber in Höhen von mehr als 1.200 Metern über dem Meeresspiegel. Die Zeckensaison beginnt im März und endet im Oktober, mit den beiden Höhepunkten Frühsommer und Herbst.

 

Überträger

Die Überträger gehören zu den beim Hund bekannten Schildzecken (Ixodes), besonders bekannt ist der „gemeine Holzbock“ (Ixodes ricinus). Zecken sind Parasiten, die eine Entwicklung vom Ei über Larven und Nymphen zur fertigen Zecke durchlaufen. Jedes dieser Zwischenstadien benötigt zur Weiterentwicklung eine Blutmahlzeit.

Zeckenlarven und Nymphen saugen ihr Blut bei Nagern wie Wald- und Wühlmäusen und Rehwild. Die Wildtiere haben die Bakterien in ihrem Blut, sie dienen sozusagen als Reservoir für die Borrelien, erkranken aber selbst nicht.

Ausgewachsene Zecken erklettern Pflanzen bis 1,50 m Höhe und lassen sich auf vorbeistreifende Tiere fallen. Sie befinden sich dann zunächst auf dem Fell des Hundes und beißen sich erst später, meist an weniger behaarten Stellen fest.

Die Borrelien-Erreger wandern vom Verdauungstrakt der Zecke in ihre Speicheldrüse. Von dort gelangen sie beim Blutsaugen in die Haut des Hundes. Je länger die Zecke saugt, umso größer ist das Risiko einer Borrelieninfektion. Kontaktinfektionen zwischen Hunden, d.h. die Ansteckung von Hund zu Hund, spielen keine Rolle.

 

Inkubationszeit: Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit können mehrere Wochen bis Monate vergehen.

 

Symptome

Viele Infektionen verlaufen symptomlos. Im Gegensatz zum Menschen scheint beim Hund das Stadium der Lokalreaktion (Erythema migrans) nicht aufzutreten. Hierbei tritt beim Menschen eine halbmondförmige bis kreisrunde, feuerrote Stelle an oder in der Nähe der Zeckenbissstelle auf.

Die Krankheit beginnt oft erst Tage oder sogar Wochen bis Monate nach dem Zeckenbiss. Sichtbare Symptome entstehen häufig erst bei einer erneuten Infektion (Re-Infektion) oder bei Reaktivierung der Erreger, die irgendwo im Körper schlummern.

Die anfänglichen Symptome sind nicht sehr krankheitsspezifisch. Es treten Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Fieber auf, so wie man es bei vielen Infektionskrankheiten im Anfangsstadium antrifft. Im weiteren Verlauf beobachtet man Symptome wie Steifigkeit der Gliedmaßen, Lahmheiten (Paresen), Schwellungen und Schmerzen der Gelenke, meist wechselnd zwischen den Gelenken der Vorder- und Hintergliedmaßen.

Auch die Muskulatur kann betroffen sein, die Hunde bewegen sich dann wie bei hochgradigem Muskelkater. Die dadurch gezeigten Lahmheiten sind meist besonders intensiv nach dem Aufstehen. Die Gelenkveränderungen sind immunbedingt.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. Es treten Nervenentzündungen (Polyneuritiden) und Überempfindlichkeiten (Hyperästhesien) im Rückenbereich auf. Auch das Herz und die Nieren (Glomerulonephritis) können befallen sein. Seltener treten akute Hautentzündungen (Dermatitiden) auf. Die Haut wird dann flammend rot mit wässrigen Ausschwitzungen. Dieses Erscheinungsbild nennt man Hot spot.

 

Differentialdiagnosen:

                      Gelenkentzündungen anderer Ursache (Arthritiden)

                      Nervenentzündungen anderer Ursache (Polyneuritis)

                      Ehrlichiose

 

Diagnose

Hinweise geben die vorstehenden Symptome, die bei gegebener Zeckenexposition den Verdacht erbringen. Ein Nachweis der Borrelien in Blut, Liquor oder Harn ist nicht möglich. Empfohlen werden serologische Antikörper-Tests. Dazu wird dem Hund vom Tierarzt Blut abgenommen. Daraus wird Serum erstellt, welches ins Labor zur Untersuchung geschickt wird.

Eine andere Möglichkeit der Diagnosestellung bietet der Immunomigrations-Schnelltest. Mit diesem Schnelltest kann unter Praxisbedingungen direkt eine Untersuchung erfolgen. Dieser Test ist aber nicht in allen Praxen verfügbar und nicht so aussagekräftig.

Wichtig ist, dass Tests verwendet werden, die für alle auf der Welt bekannten Borrelienarten sensitiv sind. Teilweise treten falsch positive Tests auf. So wurde z.B. bei gesunden Hunden ein positiver Serumtest nachgewiesen. Es wurde festgestellt, dass dies durch Kreuzreaktionen entstehen kann, aber es wurden auch falsch positive Testergebnisse bei Hunden mit Zahnfleischentzündungen (Peridontitis) gefunden. Nur ein 4-facher Titeranstieg oder ein sehr hoher Anfangstiter ist für Borreliose beweisend. Ein negativer Titer schließt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Borrelioseinfektion aus.

 

Therapie

Eine zwei bis vier Wochen lange Antibiotikabehandlung mit:

1.                   Tetracyclinen (Doxycyclin)

2.                   Amoxicillin

3.                   Cephalosporin

4.                   Erythromycin (Über die Wirksamkeit von gibt es unterschiedliche Meinungen).

 

Borreliose muss lange behandelt werden, da sich diese Erreger sehr langsam vermehren. Zur Behandlung der Schmerzen können Aspirin und nicht kortisonhaltige Schmerzmittel verwendet werden. Um die Heilung von Nerven zu unterstützen, erfolgt eine Vitamin B-Gabe. Je nach Erkrankungsbild und betroffenen Organen können auch homöopathische Medikamente eingesetzt werden.

 

Prognose: Die Prognose ist immer mit Vorsicht zu stellen, da es zu Rückfällen und Reinfektionen kommen kann.

 

Prophylaxe

In Zeckengebieten sollten die Tiere in der Zeckenzeit durch Präparate gegen Zecken geschützt werden. Dazu gibt es verschiedene Medikamente, die in Form von Spot-on oder Spray auf den Hund aufgetragen werden können. Diese führen dazu, dass weniger Zecken auf das Tier geraten. Sollte sich doch einmal eine Zecke festsaugen, wird sie durch den Wirkstoff abgetötet.

Der Spot-on wird den Hunden aufgetragen, indem man die Haare zwischen den Schulterblättern scheitelt und die Flüssigkeit auf die Haut träufelt. Der Wirkstoff verteilt sich innerhalb eines Tages und lagert sich in der obersten Hautschicht ein. Diese Behandlung muss regelmäßig alle 4 Wochen durchgeführt werden. Da diese Präparate zwar gut, aber nicht hundertprozentig wirksam sind, sollten Hunde nach dem Spaziergang auf Zecken abgesucht werden. Dadurch können diese bereits vor dem Festsaugen abgelesen werden.

Sollte doch eine Zecke angebissen haben, benutzt man zur Entfernung eine spezielle Zeckenzange, die beim Tierarzt erhältlich ist. Dabei sind die in der Haut des Hundes steckenden Mundwerkzeuge der Zecke mit der Zange zu greifen. Danach wird ohne Zug so lange gedreht, bis die Zecke loslässt. Die Drehrichtung spielt dabei keine Rolle. Ein Quetschen des Zeckenkörpers ist unbedingt zu vermeiden, da dort die erregerhaltigen Speichedrüsen liegen. Damit man die Zecke bei einer plötzlichen Bewegung des Hundes nicht abreißt, sollte er von einer zweiten Person gut festgehalten werden.

Eine komplett entfernte Zecke sollte unbedingt getötet werden, da Zecken auch ohne jede Nahrung mehrere Jahre überleben können. Reißt das Vorderende der Zecke ab, kann der Kopf beim Tierarzt entfernt werden. Sollte das nicht möglich sein, kann die lokale Entzündung mit antibiotischen Salben behandelt werden. Nach einigen Tagen wird der Zeckenrest von der Haut abgestoßen. Die Angst, der Zeckenkopf könnte in den Körper wandern und dort Schwierigkeiten verursachen, ist unbegründet.

Auf keinen Fall sollten Öle, Nackellack oder Klebstoffe auf die Zecke aufgetragen werden. Diese Maßnahmen unterbinden die Atmung der Zecke. Der dadurch entstehende Stress löst die Absonderung des eventuell infizierten Speichels aus und erhöht damit die Gefahr einer Infektion.

 

Impfverfahren

Seit einiger Zeit steht ein Impfstoff gegen die Lyme-Borreliose (Borrelia burgdorferi) für den Hund zur Verfügung.

Erstimpfung:
Geimpft werden können sowohl erwachsene Hunde einschließlich trächtiger Hündinnen, als auch Welpen ab der 12. Lebenswoche.

Zweitimpfung:
Um eine belastbare Immunität zu erlangen, muss im Abstand von 3 bis 5 Wochen eine Zweitimpfung erfolgen. Diese Grundimmunisierung kann das ganze Jahr über begonnen werden. Der beste Zeitpunkt ist jedoch die kalte Jahreszeit von Oktober bis Februar. In diesem zeckenfreien Zeitraum kann sich ein ausreichender Impfschutz aufbauen und der Hund ist mit Beginn der Zeckenzeit weitgehend geschützt.

Wiederholungsimpfung:
Damit der Impfschutz aufrecht erhalten bleibt, muss spätestens nach einem Jahr eine Wiederholungsimpfung stattfinden. Weitere Impfungen erfolgen jeweils jährlich. Bei hohem Infektionsdruck in starken Zeckengebieten oder bei häufigen Aufenthalten in diesen, zum Beispiel bei Jagdgebrauchshunden oder bei Hunden, die am Waldrand leben, wird eine halbjährliche Wiederholung empfohlen.

Geimpft werden dürfen nur gesunde Hunde, die zuvor entwurmt sein sollten. Treten bei Hunden trotz Impfung Borreliose-Symptome auf, sollte ein Bluttest durchgeführt werden, da eventuell alte, schon vor der Impfung entstandene Infekte erst mit Verzögerung ausbrechen können.

Die Impfung garantiert keinen absoluten Schutz. Außerdem können Zecken auch andere Krankheiten übertragen. Deshalb sollten auch geimpfte Hunde durch die Spot-on Behandlung gegen Zecken geschützt werden, bzw. das Festsaugen sollte durch gründliche Fellpflege vermieden werden.

(Alle Angaben ohne Gewähr)

Text: Tierärztin Dr. Monika Schubert-Hoss

 

Borreliose-Diagnostik beim Hund - Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Labor-Methoden

 

Peter Kopp
Institut für klinische Prüfung Ludwigsburg GmbH
Veterinärmedizinisches Labor, 1998

 

Wie jedes Jahr im Frühsommer ist jetzt die erste Zeckenwelle in vollem Gange. Und wie immer um diese Jahreszeit bringen die Hunde eine Vielzahl an Zecken von ihren Spaziergängen mit nach Hause. Seit das Wissen auch in der breiten Bevölkerung über die gesundheitliche Gefährdung durch Zeckenstiche beim Menschen, vor allem durch die FSME oder die Borreliose, wächst, steigt auch die Angst über eine mögliche Gefährdung der Hunde durch die entsprechenden Erreger.

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über labormedizinische Verfahren, deren richtigen Einsatzbereich sowie die Grenzen der einzelnen Verfahren aufzeigen.

Borrelia (B.) burgdorferi, der Erreger der Lyme-Borreliose, hat den Namen nach seinem Entdecker W. Burgdorfer, der zusammen mit dem Rheumatologen A. Steere Anfang der achtziger Jahre dieses Bakterium aus Zecken in der Umgebung der Gemeinde Lyme in Connecticut, USA isolieren konnte. Der Hintergrund dieser intensiven Forschung war ein gehäuftes Auftreten von Arthritiden vor allem bei Kindern in diesem Gebiet. Mit der Kenntnis dieser Fakten ist man auch schon bei zwei wesentlichen Problempunkten bezüglich der Borrelien-Diagnostik beim Hund:

1.                 Viele der "Erkenntnisse" der Borreliose beim Hund wurden direkt vom Wissen aus der Humanmedizin abgeleitet und

2.                 Viele dieser Kenntnisse stammen aus den USA.

Beides ist im Prinzip nicht falsch, bedarf aber einer kritischen Betrachtung.

zu 1.:

In der Humanmedizin haben seit der Entdeckung von B. burgdorferi intensive Forschungen vor allem im Bereich der Epidemiologie und zur Aufklärung des klinischen Krankheitsbildes sowie deren frühzeitige Erkennung und Therapie stattgefunden. Man konnte nachvollziehen, daß die Borrelien durch den Zeckenstich übertragen werden und sich dann anschließend in verschiedenen Organsystemen (z.B. Haut, Gelenke, ZNS) manifestierten. Es wurde aus Erfahrungen mit dem Erreger der Syphillis, Treponema pallidum, der in die selbe Gruppe der Bakterien gehört wie B. burgdorferi, ein 3-stufiger Verlauf der Lyme Borreliose postuliert. Im ersten Stadium reagiert der Mensch mit Allgemeinsyptomen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber, Myalgien u.a. und häufig ist um die Bißstelle eine sog. Wanderröte, das Erythema migrans (EM), zu erkennen. Im zweiten Stadium werden neurologische, kardiale, arthrogene oder ophtalmologische Symptome beobachtet. Im letzten Stadium reagiert der Mensch u.a. mit einer chronischen Arthritis, einer chronischen Enzephalitis oder der sog. Acrodermatitis chronica athrophicans (ACA), einer Erkrankung, bei der die Haut sich pergamentartig verändert. Diese Aufzählung zeigt schon, wie komplex und vielseitig das Erscheinumgsbild der Lyme-Borreliose beim Menschen sein kann. Genauso vielseitig sind die Krankheitsbilder, die beim Hund im Zusammenhang mit der Borreliose beschrieben werden. Allerdings halten nur wenige dieser Berichte einer genaueren wissenschaftlichen Betrachtung stand. Aus der Humanmedizin bekannte Syptome einer Borreliose auf den Hund zu übertragen und bei positiver Serologie die Schlußfolgerung zu ziehen, daß ein direkter Zusammenhang besteht, bedarf einer genauen Abklärung sämtlicher anderer in Frage kommenden Ursachen.

zu 2.:

Die zweite angesprochene Problematik besteht darin, daß man seit einigen Jahren weiß, daß von B. burgdorferi mehrere unterschiedliche Genospezies existieren. Man spricht daher heute von B. burgdorferi sensu lato, die sich u.a. in B. burgdorferi sensu stricto, Borrelia garinii sowie Borrelia afzelii aufteilt. Das Interessante daran ist, daß man in den USA hauptsächlich B. burgdorferi sensu stricto isolieren konnte. Im Gegensatz dazu werden in Europa alle 3 genannten Genospezies isoliert. Da in den USA das am häufigsten beobachtete Symptom der Lyme-Borreliose die Arthritis ist, geht man heute davon aus, daß B. burgdorferi sensu stricto einen Organtropismus für den Bewegungsapparat besitzt, Borrelia garinii eher disseminierte Formen der Borreliose verursacht bzw. die Neuroborreliose hervorruft und Borrelia afzelii eine Affinität zur Haut hat und Symptome wie das EM oder die ACA hervorruft. Selbstverständlich sind die unterschiedlichen Genospezies auch unterschiedlich in ihrer antigenen Struktur, was natürlich nicht nur Probleme in der serologischen Diagnostik sondern auch in der Entwicklung von Impfstoffen verursacht. Deshalb sind Entwicklungen von Testsystemen (v.a. von ELISA`s), oder gar Impfstoffen in den USA nicht ohne weiteres in Europa anzuwenden.

Was ist derzeit über die Borreliose beim Hund bekannt?. Erst 1992 gelang es Wasmoen et al. nachzuweisen, daß B. burgdorferi beim Hund die Kochschen Postulate erfüllt. Sie konnten Hunde experimentell infizieren (wobei die Hunde mit gestörtem Allgemeinbefinden, Gelenkssyptomen und Fieber reagierten), den Erreger anschließend aus den erkrankten Tieren isolieren und damit erneut eine Erkrankung bei anderen Hunden hervorrufen. Allerdings entsprach die Art der Infektion nicht dem natürlichen Infektionsweg (hochdosierte i.v.-Gabe von B. burgdorferi in Reinkultur über 7 Tage). Differenzierter waren die Infektionsversuche von Appel et al. (1993). Sie infizierten die Hunde über den Vektor Zecke, indem sie Hunden mit Borrelien infizierte Zecken anhefteten. Sie konnten dabei folgendes beobachten:

Das dominierende klinische Bild, das die Hunde zeigten, waren Lahmheiten. Diese Lahmheiten entwickelten sich zwischen 2-5 Monaten nach Infektion über die Zecken. Dabei zeigten die Tiere zuerst leichte Lahmheiten, die innerhalb von 3 Tagen zunahmen und nach 4 Tagen wieder verschwunden waren. Hauptsächlich waren davon die Ellenbogengelenke sowie die Karpal- und Kniegelenke betroffen. Palpatorisch konnte bei einigen Tieren eine leichte Schwellung sowie eine lokale Temperaturerhöhung festgestellt werden. Die meisten der an Lahmheiten erkrankten Hunde zeigten eine erhöhte Körpertemperatur (39,5-40°C) und waren apathisch. Gewichtsverluste konnten dabei nicht beobachtet werden. Nach der ersten Lahmheit entwickelten die meisten der Tiere eine zweite , teilweise eine dritte Lahmheit im Abstand von 2-4 Wochen. Dabei waren teilweise andere Gelenke als in der ersten Periode betroffen. Außer diesen Symptomen zeigten die Tiere innerhalb der Beobachtungsperiode von 17 Monaten keine anderen klinischen Anzeichen mehr. Ein EM konnte auch nach sorgfältigster Betrachtung der Einstichstelle nicht beobachtet werden. Die von anderen Autoren beschriebenen Erkrankungen wie z.B. Nierenfunktionsstörungen (Grauer et al., 1988) oder Herzblock (Levy und Duray, 1988) bestätigten sich auch in der anschließenden Sektion der Versuchshunde nicht. Die von Appel et al. angeführten Untersuchungen wurden in den USA durchgeführt, sodaß man auch hier von der Vermutung ausgehen muß, daß es sich primär um B. burgdorferi sensu stricto-Stämme gehandelt hat. Ähnliche Infektionsversuche mit B. afzelii oder B. garinii wurden beim Hund bisher nicht durchgeführt.

Verschiedene Labormethoden und deren Grenzen

Bei allen Labormethoden bezüglich der Borreliose beim Hund muß man beachten, daß die Ergebnisse lediglich Hilfsmittel zur Diagnosestellung sein können und auf keinen Fall eine sorgfältige klinische Untersuchung unter Abklärung der in Frage kommenden Differentialdiagnosen ersetzen können.

Prinzipiell unterscheidet man zwischen :

A) Direkten Verfahren

1.) Anzucht der Borrelien, z.B. aus Synovia

2.) Polymerase-Kettenreaktion (PCR) (im engeren Sinne kein direktes Nachweisverfahren, da lediglich DNA nachgewiesen wird und keine Aussage über die Vitalität des Erregers gemacht werden kann)

B) Indirekten Verfahren des Erregernachweises = Serologie

1.) Indirekter Hämagglutinationstest (IHA)

2.) Immunfluoreszenstest (IFT)

3.) Enzym-Immunoassay (EIA)

4.) Western- bzw. Immunoblot

Direkte Verfahren

Anzucht der Borrelien: Die Anzucht der Borrelien aus den betroffenen Regionen oder Organen gelingt sehr selten und ist zudem noch sehr langwierig. Man benötigt dazu ein Spezial-Nährmedium (BSK-II) und muß dieses bis zu 5 Wochen bebrüten. Burmester et al. (1997) gehen bei der Anzucht aus Blut, oder Synovia von einer Isolationsrate von maximal 10% aus. Ebenso schwierig ist folglich eine direkte Anfärbung des Erregers (z.B. mittels Silberfärbung). In seltenen Fällen kann man evtl. mit Hilfe der Dunkelfeld-Mikroskopie die Borrelien direkt nachweisen, wobei auf die Problematik von Artefakten bzw. verwandten Bakterien hinzuweisen ist).

Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Die in den letzten Jahren immer populärer werdende PCR als sensitive Nachweismethode bei vielen Infektionskrankheiten, kann nur unter Vorbehalt bei der Borreliose eingesetzt werden, da man bisher immer noch recht wenig über den Aufenthalt der Borrelien in den einzelnen Stadien der Erkrankung oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach einem Zeckenstich weiß. Berichte über den Nachweis von Borrelien mittels PCR aus dem Urin von Hunden sind nur bedingt verwertbar, da eine genaue Aussage zu welchen Zeitpunkt die Borrelien ausgeschieden werden, nicht möglich ist. In der Humanmedizin wird dieser Nachweis als Erfolgskontrolle bei einer Antibiotika-Therapie eingesetzt. Auch Berichte mittels PCR Borrelien in der Haut nachzuweisen sind vorsichtig zu bewerten, da dieser Nachweis hauptsächlich bei experimentell infizierten Hunden geführt wurde und deshalb die Einstichstelle der Zecke klar definiert war. In der Humanmedizin wird die PCR bisher nur als ergänzende Methode bei unklarer Serologie und klar definiertem klinischen Bild (z.B. bei der Neuroborreliose) empfohlen.

Aufgrund der angefürten Problematik beim direkten Erregernachweis dient die Serologie zur Zeit noch als Methode der Wahl, um eine Borreliose zu diagnostizieren.

Indirekte Verfahren = Serologie

Indirekter Hämagglutinationstest (IHA): Der indirekte Hämagglutinationstest (IHA) eignet sich aufgrund der Einfachheit gut zum Screening. Dabei werden mit Borrelienantigen beladene Schaferytrozyten mit Patientenserum inkubiert. Im positiven Fall kommt es zur Bildung eines klassischen Antigen-Antikörperkomplexes und dadurch zur Agglutionation der Antikörper.

Immunfloureszenztest (IFT) und Enzym-Immunoassay (EIA): Der Immunfluoreszenstest (IFT) erfordert zwar eine größere Erfahrung des Untersuchers als z.B. der Enzymimmunoassay (EIA), Untersuchungen haben aber gezeigt, daß bei richtiger Anwendung sowohl bezüglich der Sensitivität als auch der Spezifität keine Unterschiede zum EIA bestehen. Der IFT gilt als besonders geeignet für Screenings, wobei natürlich auch hier wieder wichtig zu wissen ist, wann welche Antikörpertiter (IgM bzw. IgG) nach Zeckenexposition zu erwarten sind. Auch hierzu gibt es in der Literatur wieder unterschiedliche Angaben wobei dies einmal mit der oft unklaren Anamnese bei natürlicher Exposition zusammenhängt, zum anderen aber auch damit, daß man festgestellt hat, daß ein deutlicher Unterschied bezüglich der Qualität und des Zeitpunktes der Antikörperantwort bei experimentell infizierten Hunden (i.v.-Infektion zum einem sowie die Infektion über den Vektor Zecke zum anderen) besteht. Appel et al. (1993) konnten in ihren bereits oben angeführten Studien eine sich langsammer entwickelnde, aber länger andauernde Antikörperbildung erkennen. Alle Hunde, die infizierten Zecken ausgesetzt waren, bildeten 4-6 Wochen nach Zeckenstich nachweisbare Antikörpertiter (IgG) aus, wobei diese innerhalb der nächsten 6-8 Wochen anstiegen und mindestens 1 Jahr auf diesem hohen Niveau bestehen blieben. Wie sich der Titerverlauf bei IgM verhält, ist nicht endgültig geklärt. Zu erwarten ist, da es sich bei IgM um die Immungloboline der frühen Phase einer Infektion handelt, daß ein positiver Titer früher als bei IgG nachzuweisen ist. Burgess 1988 gibt an, daß sich innerhalb der ersten 4 Wochen bereits ein deutlicher IgM-Titer ausbildet. Allerdings gibt es auch Hinweise in der Literatur, daß sich deutliche IgM -Titer nur bei Erstinfektion (und v.a. bei Hautmanifestationen) nicht aber bei Reinfektionen ausbilden.

Kontrovers wird auch die Frage diskutiert, ob man bei serologischen Untersuchungen grundsätzlich mit antigen verwandten Bakterien (z.B. Treponema phagedenis) absorbieren muß, um eventuelle Kreuzreaktionen auszuschließen. Bekannt ist, daß antigen Verwandte Bakterien aus der Ordnung der Spirochaetales (z. B. Leptospira spp. oder Treponema spp.) zu Kreuzreaktionen führen können. Da man vermutet, daß vor allem in der frühen Phase eine Borrelieninfektion oft starke Reaktionen mit den gemeinsamen Antigenen stattfinden, deshalb könnte unter Umständen eine vorherige Absorption diese Reaktion unterdrücken. Sinnvoller scheint daher die Kombination mit einem

Western- bzw. Immunoblot: als Bestätigungstest. Dazu werden die Antigene von B. burgdorferi mittels Gelelektrophorese aufgetrennt und auf eine Nitrozellulosemembran transferriert. Diese wird mit dem Patientenserum inkubiert und anschließend wird die Reaktion des Serums, bzw. der Antikörper im Serum, mittels Substratfärbung sichtbar gemacht. Es entstehen dabei im positive Falle unterschiedliche Banden, die nach ihrer Spezifität für B. burgdorferi interpretiert werden müssen. Dies erfordert einige Erfahrung des Untersuchers und ist auch von dem verwendeten Borrelien-Stamm abhängig. Blenk (1993) gibt in der Humanmedizin folgende Indikationen für den Einsatz des Immunoblots an:

a.                  Bei eindeutigem klinischen Bild und negativer Serologie (spielt v.a. in der Humanmedizin eine Rolle, da beim EM oft kein hoher Antikörper-Titer (IgG) im Blut diagnostiziert werden kann),

b.                 bei unklarem klinischen Bild und grenzwertigem IFT (1:40 bis 1:80), um zwischen unspezifischer Reaktion, anamnestischen Erregerkontakt oder aktiver Borreliose unterscheiden zu können,

c.                  bei fehlender klinischer Symptomatik, aber eindeutigem anamnestischen Hinweis (hat bei der Häufigkeit von Zeckenstichen beim Hund in der Veterinärmedizin eher keine Bedeutung),

d.                 zur Abklärung, ob noch eine aktive chronische Infektion nach vorangegangener Antibiose vorliegt. (Neuere Untersuchungen beim Hund (Straubinger et al. 1997) geben Anlaß zur Diskussion, ob durch antibiotische Behandlung überhaupt eine Elimination des Erregers erreicht werden kann und ob sich die Borrelien nicht vielleicht in schlecht vaskularisierten Geweben, z.B. Gelenken, oder intrazellulär "verstecken" um so über Jahre oder evlt. lebenslang im Organismus zu persistieren. Sie konnten zwar die Arthritiden erfolgreich therapieren, hatten auch nach 30-tägiger Antibiotikabehandlung auch eine deutliche Reduzierung der Antikörpertiter, teilweise bis unter die Nachweisgrenze, aber 6 Monate nach der Behandlung waren wieder Antikörper gegen B. burgdorferi nachweisbar.)

Übertragen auf die Veterinärmedizin scheint der Einsatz des Immunoblots vor allem bei grenzwertigen bzw. niederen Titern sinnvoll zu sein, um unspezifische Reaktionen ausschließen zu können. Auch bei klarem klinischen Bild (nach Abklärung der in Frage kommenden Differentilaldiagnosen) und negativer Serologie wäre ein Immunoblot sinnvoll.

Zusammenfassung

Die oben gemachten Ausführungen zeigen, daß die Borrelien-Diagnostik ein schwieriges Gebiet ist. Wenn man jetzt den Durchseuchungsgrad der Zecken in Deutschland (Vermutungen gehen von 20% und mehr der Zeckenpopulation aus) und der Häufigkeit mit der Hunde jedes Jahr von Zecken gestochen werden, betrachtet, versteht man, wie schwierig die Diagnostik der Borreliose beim Hund ist. Unbestritten ist, daß es eine durch B. burgdorferi verursachte Erkrankung gibt. Allerdings muß man darauf hinweisen, daß es auch Berichte aus den USA gibt (Levy und Magnarelli 1992), nach denen von ~50% seropositiver Hunde in einem endemischen Gebiet, lediglich 5% klinische Symptome wie Lahmheit, Gelenkschwellung und Apathie zeigten. Hinzu kam, daß innerhalb des Beobachtungszeitraumes (20 Monate) ebensoviele seronegative Hunde vergleichbare Symptome entwickelten.

Jacobsen et al. (1996) konnten feststellen, daß alle Hunde mit einer für die Borreliose typischen Symptomatik bereits einen deutlichen IgG-Titer hatten. Deshalb erscheint folgende Vorgehensweise bei einem Verdacht auf Borreliose beim Hund sinnvoll:

Verdächtiges klinisches Bild (z.B. wechselnde Lahmheit) unter weitgehendem Ausschluß möglicher Differentialdiagnosen und evtl. anamnestischem Hinweis auf massiven Zeckenbefall (vor ca. 2 Monaten)

¯

IgG-Bestimmung im IFT (oder EIA)

¯

bei grenzwertigem IgG-Titer zwischen 1:40 und 1:80, Kontrollle mittels Immunoblot

¯

bei Titern über 1:80 oder grenzwertigem IgG-Titer und deutlich positivem Immunoblot

¯

Antibiotika-Therapie mit entsprechender klinischer Erfolgskontrolle

Trotz dieser Vorgehensweise kann die Serologie nur ein Hilfsmittel zur Diagnose sein. Letztendlich bleibt die Entscheidung einer Therapie beim behandelnden Tierarzt/ärztin, der das klinische Bild und die entsprechende Anamnese kennt. Vorsichtig interpretiert werden müssen auch Symptome wie ZNS-Störungen, Herzblock oder Nierenschädigungen. Es liegen bisher meiner Meinung nach zu wenig Daten bezüglich dieser Krankheitsbilder im Zusammenhang mit einer Borreliose beim Hund vor. Auch die Frage, ob man bei serologisch positivem Befund ohne klinische Symptome eine Antibiose empfehlen kann, muß der/die behandelnde Tierarzt/ärztin nach o.g. Ausführungen selbst entscheiden. Bei der Vielzahl serologisch positiver Hunde ohne klinische Symptomatik und dem deutlichen Hinweis, daß B. burgdorferi evtl. trotz Antibiotika-Therapie persistieren kann (Straubinger et al., 1997) halte ich persönlich eine grundsätzliche Antibiotika-Therapie nicht für sinnvoll.

Die Borreliose, nicht nur beim Hund, wird auch in näherer Zukunft noch genügend Anlaß zur Diskussion geben. Es bleibt zu hoffen, daß kommende Untersuchungen spezifischer auf die Bedeutung von Borrelia burgdorferi sensu lato bei den einzelnen Tierarten, vor allem in Europa, eingehen.

Literatur

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