Frici
 

 

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Frici

 

Ich weiß noch nicht so ganz genau, welches Schicksal mich zu meinen neuen Freunden verschlagen hat. So ganz übel hat es mich aber bestimmt nicht getroffen, jetzt die Dreier-Bande zu verstärken. Die Drei sind richtige Kumpels, haben mich sofort in ihren Bund aufgenommen. Anfangs gab es zwar ganz wenige Situationen, wo der eine oder andere meinte, seinen wichtigen Platz in der Gang deutlich machen zu müssen. Aber wir haben uns ganz schnell aufgereiht und kommen bestens miteinander klar (wenn ich nur wollte, könnte ich hier natürlich der Chef sein, aber das wäre mir viel zu anstrengend !). Max ist ein richtiger älterer Freund. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen. Lisa ist prima, man kann mit ihr durch die Gegend rennen, und dort, wo sie stromert, ist es immer spannend. Sie will öfters lieber allein sein, das ist aber nicht schlimm, dann bleibe ich eben bei den Anderen, außerdem wäre mir Lisas Tempo auf die Dauer sowieso zu anstrengend. Nadia, die Oma, ist einfach toll. Trotz ihres Alters ist sie manchmal ein ziemlicher Kindskopf. Man kann richtig mit ihr lachen. Sie kommt immer so jugendlich rüber, daß niemand glauben mag, wie alt sie wirklich ist.

Früher war ich mit einem Menschen zusammen, bei dem ich es auch richtig gut hatte. Wir waren wie eine Familie, ich durfte überall bei ihm sein, ich durfte sogar auf sein Bett - daher bin ich bis heute immer noch gern auf Betten !! Aber mein Mensch starb, und für mich begann eine ganz schlimme Zeit, an die kann ich mich nicht mehr erinnern - ich will mich nicht mehr erinnern !! Irgendwann war ich schließlich in einem Tierheim, aus dem ich abgeholt wurde, dann flog ich durch die Luft, traf danach viele verschiedene Menschen, die alle zwar nett waren, aber nirgendwo war ich zu Hause. Schließlich holte ein Mensch mich ab und brachte mich zu den Hunden ins "Altersheim" und dachte, ich sei auch schon so alt. Es stellte sich zwar heraus, daß ich jünger bin, als erwartet, aber diese Menschen beim Altersheim der Hunde wurden meine Dosenöffner und die Rentnerband nahm mich sofort in ihrer Mitte auf. Jetzt habe ich endlich wieder ein Zuhause und Freunde und darf immer auf dem Bett liegen, wann ich will.....

Ich bin Frici, ich lerne die neue Sprache der Menschen, mit denen ich jetzt lebe, verstehen, bin etwas tiefgelegt, sehr beharrlich und stur, aber herzensgut zu allen Tieren und Menschen. Vielleicht stecken in mir noch einige Überraschungen, an die ich mich (noch) nicht erinnern kann, wer weiß das schon? Wir werden sehen, was noch kommt, das Leben ist spannend !! Aber der Start in das neue Leben war sehr verheißungsvoll, ich habe tolle Hundekumpels, nette Dosenöffner und darf immer aufs Bett - Whow !!!

 

 

Die Landung von Frici.....

 

Am Nachmittag des 29. April 2006 habe ich Frici aus Unna abgeholt. Die Fahrt nach Unna war ziemlich beschwerlich, ein Stau auf der A1 hielt mich eineinhalb Stunden auf. Die arme Anne, mit der ich auf dem Parkplatz einer bekannten Schnellrestaurantkette verabredet war, mußte dementsprechend so lange warten, ich möchte mich bei ihr auf diesem Wege nochmals ganz herzlich bedanken.

 
Frici befand sich bei sehr netten, tierlieben älteren Leuten, die sich den Umgang mit ihm jedoch auf Dauer nicht zutrauten. Ich werde mit ihnen Kontakt halten und über Fricis weitere Entwicklung berichten.


Mit Annes Hilfe waren alle Formalitäten schnell erledigt, und ich fuhr, mit ziemlichem Termindruck im Nacken, Richtung Bremen zurück. Frici erwies sich als angenehm ruhiger und ausgeglichener Mitfahrer.

 
Ich mußte in der Nähe von Bremen noch einen Vorkontrolltermin wahrnehmen, daher der Termindruck. Frici war mein Begleiter, und bewältigte seine wahrscheinlich erste Vorkontrolle mit Bravour. Jedenfalls wurde die in dem Haushalt vorhandene schwarze Labrador-Hündin von ihm ausdauernd kontrolliert.


Nach der Vorkontrolle ging es endlich nach Hause. Hannelore war in recht banger Erwartung, ob der Reaktionen unseres Altersheims bei der Ankunft des Neulings. Aus meiner Sicht waren die Reaktionen insgesamt recht positiv. Max zeigte bei einer der ersten Annäherungen eine recht scharfe Reaktion mit einigen für ihn sehr ungewöhnlichen Drohlauten bei überdeutlichem Zähnezeigen, Lisa verteidigte wie immer das Zimmer von Hannelore als ihr alleiniges Areal mittels lautem Schimpfen, verhielt sich auf "neutralem Boden" jedoch sehr distanziert bis freundlich. Nadia war gleichbleibend freundlich, nur als wir draussen unterwegs waren, kam Frici ihr irgendwie einmal zu nahe, auf eine Art, die ich nicht beobachten konnte, die sie jedoch massiv gestört haben muß. Als Folge davon jedenfalls sprang sie ihm mit den unbeschreiblichen Lauten eines mindestens zehnmal so großen Hundes entgegen und machte ihn so richtig rund, der arme Kerl war reichlich verdutzt und wirkte richtig zerknirscht. Sonst war alles richtig Friede, Freude, Eierkuchen, auch die erste Hundemahlzeit konnte ohne Freßneid und ohne Rangordnungsprobleme bewältigt werden. Danach machte ich mich daran, den Vorkontrollbericht zu schreiben und zu versenden.

 

 

Schließlich hatte ich die Anfertigung des Vorkontrollberichtes bewältigt. In der Nacht herrschte bei uns ein Schiet-Wetter, es goß wie aus Kübeln. Ein nächtlicher Spaziergang unter diesen Umständen erschien uns allen nicht allzu verlockend. Gegen 04:00 Uhr ließ der Regen etwas nach, ich wollte diese Entwicklung nutzen, um unsere Nacht-Tour zu absolvieren und diesen anstrengenden Tag endlich abzuschließen. Also versah ich Max, Nadia und Frici mit ihren Geschirren, Frici kam gleich bei dieser Gelegenheit an die Roll-Leine.



An dieser Stelle eine Zwischenbemerkung zu einigen baulichen Gegebenheiten bei uns: An der Rückseite unseres Hauses befindet sich im Anschluß an unser Wohnzimmer eine überdachte Terrasse, die Tiefe dieser Terrasse beträgt ca. 4,5 Meter. Am Rand der Terrasse liegt ein Teich, der mit ca. 40cm langen, schon sehr alten Goldorfen belegt ist. Auf der Terrasse steht unter anderem auch das Hundesofa. Zu der Zeit, als der Regen etwas nachließ, befand sich Lisa auf diesem Hundesofa, sie lag draußen und lauschte in die Nacht, d.h. auf den auf das Terrassendach prasselnden Regen.

Ich rief Lisa also, an der Terrassentür stehend, heran, um ihr ebenfalls ihr Geschirr anzulegen. Frici befand sich neben mir, angeleint, den Griff der Roll-Leine hatte ich in der Hand. Lisa stellte sich, wie manchmal bei ähnlichen Gelegenheiten, stur. Sie hatte sich aus den auf dem Hundesofa befindlichen Decken eine so bequeme Burg gebaut, die Motivation, diese Burg zu verlassen und draußen herumzulatschen, war angesichts des herrschenden Wetters eher gering. Ich musste also mehrmals nachdrücklich rufen. Ob meiner relativ nachdrücklichen Stimme setzte Frici, der neben mir stand, sich in Bewegung.

An dieser Stelle noch eine Zwischenbemerkung eher historischer Art: Fast jeder der Hunde, die bei uns lebten oder bei uns in Pflege waren, bretterte irgendwann mal in unseren Teich. Unsere Fische sind schon sehr alt, verfügen in dieser Hinsicht über umfangreiche Erfahrungen. Kalle wie auch Tootsie waren schon drin, Max, Nora, Boughathsie und Lucky ebenfalls. Nur Lisa ereilte dieses Schicksal nie, wenn ich mich recht erinnere. Unsere Fische veranstalten immer, wenn ein neuer Hund unsere Terrasse betritt ( die beobachten sehr genau, was bei uns geschieht !), in irgendeiner Ecke des Teiches ein konspiratives Zusammentreffen und schließen dabei Wetten ab, wie lange es wohl dauern mag, bis der Neuling da oben in den Teich semmelt.

Frici jedenfalls setzte sich in Bewegung (Gangart: Verstärkter Trab), während ich mich intensiv bemühte, Lisa endlich in die Gänge zu kriegen. Um Frici machte ich mir überhaupt keine Gedanken, er war ja schließlich angeleint. Er lief exakt geradeaus. In seiner Laufrichtung befand sich – wie zufällig – ein Teich. Die Roll-Leine war nicht arretiert. Diese Roll-Leine hat eine Länge von genau 5,23 Meter…

Die Schilderung der nächsten drei Sekunden erspare ich mir an dieser Stelle. Nur soviel: Als ich den eher verwunderten als erschrockenen Frici aus dem Teich puhlte, vermeinte ich aus dem Teich ein ganz deutlich hörbares triumphierendes Quietschen zu vernehmen: „Siehste, der plumpste jetzt schon…!!!“

Es erwies sich als relativ problematisch, den triefenden Köter in Schach zu halten, weil er unbedingt in diesem desolaten Zustand, wieder ins Haus zurückgekehrt, auf mein Bett stürmen wollte. Die Notwendigkeit einer Voll-Restauration meines Bettes hätte mir sicherlich angesichts der vorgerückten Stunde vollends den Rest gegeben. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass Frici garantiert noch nie in seinem Leben mit einem großen Badetuch richtig trockengerubbelt worden ist. Einerseits erwies er sich als erstaunlich widerspenstig, andererseits trat er immer zielsicher auf die Badetuchenden. Wenn ich im Bemühen, ihn abzutrocknen, an diesen Tuchenden zog, benahm Frici sich buchstäblich so, als würde man ihm den Boden unter den Füssen wegziehen…..
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich meine Nerven total zerbröselt in der linken Kniekehle meiner völlig durchnässten Jeans. Lisa hielt sich, wie üblich, aus diesem Chaos heraus. Max wandte sich höflich, wie er nun mal ist, ab; wohl um zu verbergen, dass er ganz kurz davor war, heftig loszuprusten. Nadia schließlich, das konnte ich deutlich erkennen, grinste mich ziemlich hämisch an….

Wie dem auch sei, Ewigkeiten später hatten wir endlich unseren Nachtspaziergang absolviert, Frici und Max belegten mein Bett, ließen aber einen schmalen Streifen Bett frei, auf dem ich meine müden Knochen zur Ruhe legen konnte.

 

 

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Frici ist tot.

 

 

Auf unserer Vormittagstour trottete er, wie üblich, hinter dem Rest unserer Gruppe her, schnüffelte, trödelte. Irgendwann rutschte er eine steile Böschung hinunter, und fiel in einen wegen der andauernden Regenfälle der letzten Zeit fast vollständig gefüllten Hauptgraben. Er schwamm nicht, versank fast augenblicklich im Wasser. Ich rannte zurück, sicherte die anderen Hundesenioren, und sprang hinterher. Als ich ihn ertastet hatte, und versuchte, mit ihm die glitschige Böschung hinaufzusteigen, wich das Leben aus ihm. Alle Versuche, ihn zurückzuholen, schlugen fehl.

Hätte ich ihn an der Leine gehabt, wäre dies nicht geschehen. Wäre er immer angeleint gewesen, hätte er es als massive Strafe empfunden. Er war ein meist introvertierter Bummelant, die Gruppe zog sich immer wieder in die Länge. Er mochte es, seiner Bedächtigkeit nachzugehen, versunken in seine eigene Gedankenwelt, wegen seiner Taubheit ungestört von Krach und Zurufen. Nun wird er nicht mehr hinter uns hertapern. Hätte ich nur...

So hat sich ein Kreis geschlossen. Frici landete, als er bei uns ankam, in unserem Teich. Bei seinem Abschied versank er in einem Graben. Wo ist der Sinn ?

Fricis leblose Hülle hat ihren letzten Platz bei Nadia und Lucky gefunden. Er sah friedlich und entspannt aus, nur ein Eckzahn war leicht entblößt. Die Augen waren geschlossen. Seine wunderbaren, melancholischen Augen werden nur noch Erinnerung sein, seinen Blick werde ich nie vergessen.

Irgendwann möchte ich ihm wieder in die Augen schauen dürfen, ihm und all den anderen Mitgeschöpfen, die zu uns kamen und von uns gingen...

 

 

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