Max
 

 

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Mein Name ist Max...

 

Ich bin Max, ich habe immer an das Gute in den Menschen geglaubt.. Die Menschen haben mir dies früher richtig schwergemacht, aber ich ließ mich nie beirren. Nach dunkler Kindheit musste ich über drei Jahre an einer ganz kurzen Kette leben, ohne Dach über dem Kopf, mit Tritten statt Liebkosungen. Ketten hinterlassen lebenslange Spuren, wenn ich mich heute so richtig freue, dann kann ich meine Freude nur in einem ganz kleinen Kreis zeigen: Dieser Kreis ist genau so groß, wie meine Kette lang war, so rotiere ich um mich selbst in einem Radius von weniger als einem Meter…

Man nahm mir mein Joch ab und brachte mich in ein ganz armes Tierheim. Wir Tiere hatten nur ganz wenig schlechtes Futter, aber die Menschen dort waren nicht unfreundlich, und mindestens einer von ihnen wurde für mich ein richtiger Freund. Man steckte mich immer zu den Problemhunden, weil ich schon immer Beruhigen und Ausgleichen und Streitigkeiten schlichten konnte.

Und nach so etwa eineinhalb Jahren kamen eines Tages die Menschen, bei denen ich jetzt lebe, und nahmen Lisa, die auch in dem armen Tierheim lebte, und mich mit sich mit. Und ich nahm mir sofort vor, dass ab jetzt alles so bleiben muß, wie es ist, und so ist es auch gekommen.

Das frühere Leben hat Spuren in mir hinterlassen. Viele chronische Beschwerden schleppe ich mit mir herum. Ich gehöre aber nicht zu den Typen, die darüber klagen. Die Menschen  treiben allerlei wunderliche Dinge, die ich manchmal nicht verstehen kann, aber diese Dinge sind oftmals gut, sie lindern Schmerzen !! Ich erzähle Euch mal ein einziges kleines Beispiel:

Oft tun mir alle Knochen und die Gelenke weh. Manchmal fährt Peter mit mir zu Fraudoktor, einer Frau in einem weißen Anzug in einem weißen Raum mit vielen Schränken, Geräten, Lampen, Bildschirmen und vielen unbegreiflichen Dingen. Fraudoktor legt eine ganz dicke, kuschelige Matte auf einen Tisch mit Fahrstuhl, ich soll mich darauflegen. Fraudoktor piekst mir eine Reihe von Nadeln in den Kopf, die Pfoten, in die Schenkel, in den Rücken. Wau, das piekst !! Dann muß ich ganz still liegen, Fraudoktor geht weg und ich bleibe mit Peter allein. Er steht neben mir, hält meinen Kopf, streichelt mich und erzählt mir ganz leise Geschichten und singt ganz leise Lieder. Mir wird dann immer ganz seltsam. Nach einiger Zeit fallen ein paar Nadeln von allein von mir herunter. Dann kommt Fraudoktor wieder und zieht die restlichen Nadeln heraus. Sie ist dann zufrieden und nennt das mit den Nadeln Akupunkdingsda oder so ähnlich. Sind die Menschen nicht seltsam ?? Aber ob Ihr es glaubt oder nicht, danach geht es mir immer viel besser als vorher.

Ich bin ein richtiger Familienhund. Ich bin nur dann richtig froh, wenn die ganze Familie beisammen ist. Mit den Damen unserer Hundebande komme ich prima klar. Nadia ist eine ganz liebe ältere Dame, Lisa macht gern ihr eigenes Ding und stört mich fast nie beim Zusammenleben mit meinen Menschen. Wenn sie mal losbellt, belle ich gern mit, (Nadia übrigens auch), das macht Laune !! Ansonsten bin ich der Überzeugung, dass die Mädels ganz genau wissen, dass ich hier der Boss bin, schließlich bin ich der ältere Kerl in der Hundebande !! Frici, unser neuer Kumpel, ist ein netter Typ. Ich verstehe mich gut mit ihm, und er hat überhaupt keine Chef-Allüren.

Peter sagt manchmal respektlose Sachen zu mir, er nennt mich z.B. schon mal "Dicke fette Weißwurst" oder so. Und das, wo ich wirklich eine Top-Figur habe - der soll sich mal lieber selbst anschauen !! Aber er meint bestimmt nicht, was er sagt, und ich bin nicht böse, ich konnte ja schon immer Beruhigen, Ausgleichen, und auch Verzeihen !!

Und so lebe ich in dieser Familie, bin mittlerweile schon über 15 Jahre alt, und hoffe, dass alles immer so bleibt wie es ist...

 

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So fing alles an...

 

...mit einem Beitrag innerhalb der Fernsehsendung "Tierisch tierisch" des Mitteldeutschen Rundfunks am 10. September 1997; beim zufälligen Durchzappen durch die Fernsehstationen sah Hannelore für einen kurzen Augenblick die Großaufnahme eines Hundes, und wusste wohl sofort: "Das isser..."

Hier ist der kurze Beitrag mit der Vorstellung des Hundes Nummer 4 aus der Sendung vom 10.09.1997, der dazu führte, daß Max von uns aus dem Tierheim Wittenberg abgeholt wurde, und bei uns blieb:

 

 

 

 

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Unser Max ist heute über die Regenbogenbrücke gegangen......

 

Heute Morgen ist unser ältester Hund, unser Max, über die Regenbogenbrücke gegangen. Wir können es überhaupt noch nicht begreifen. Der Verfall von Max von Freitagnacht bis heute Morgen war so rapide, dass eine Operation sein Leiden wohl nur verlängert hätte, wenn er die OP überhaupt überlebt hätte.

Max wurde ca. 17 Jahre alt. Die letzten 10 1/2 Jahre verbrachte er bei uns. Zusammen mit Lisa, damals 4 Monate halt, holten wir unseren Max aus einem Tierheim in Wittenberg/Elbe. Max war ein ehemaliger Kettenhund. Schon als Welpe wurde er an eine ganz kurze Kette getan und vegetierte so ca. 4 Jahre auf einem Bauernhof, ohne Hütte, ohne Ansprache. Tierschützer befreiten ihn und brachten ihn ins Tierheim. Als wir Max und Lisa dort abholten, stand der für Max zuständige Pfleger mit den anderen Hunden aus der Gruppe von Max am Tor und weinte. Er hatte Max so sehr ins Herz geschlossen, dass er sich bereits überlegt hatte, Max zu adoptieren.

Max hatte eine feste Aufgabe dort im Tierheim, eine Aufgabe, die er auch hier in den letzten Jahren ausgeübt hat. Max kümmerte sich im Tierheim um die besonders verängstigten und scheuen Neuankömmlinge. Er war für deren Integration ins Tierheimleben "zuständig". Morgens war er der Erste, der die Pfleger begrüßte und abends der Letzte, der sich noch mal schnell einen Knuddler abholte.

Hier bei uns sorgte Max dafür, dass es nie Probleme mit anderen Hunden gab, sei es, dass neue Familienmitglieder - Boughathsi, Nadia, Lucky, Frici, Lou, Robbie und Lucia - das Leben innerhalb des Hunde- und des Menschenrudels kennen- und möglichst liebenlernen sollten, sei es, dass Hunde zu Besuch kamen oder draußen Hunde getroffen wurden - stets war Max zur Stelle und sorgte für Ruhe und Frieden. Er konnte auch schon mal kurz und kräftig seine Stimme erheben - sofort war Frieden - egal, wie groß, kräftig oder jung oder alt der andere Hund war.

Gesundheitlich hatte Max viel mehr Probleme, als ein Hund allein eigentlich aushalten kann. Er kam mit einem riesengroßen Ekzem, an das er uns anfangs nicht lassen wollte. Mit viel Salbe, Bestimmtheit und vor allem Liebe haben wir uns dann aber mit ihm geeinigt. Für den Rest seines Lebens blieb er aber doch immer ein wenig berührungsempfindlich an dieser Stelle. Er hatte starke Herzprobleme, Arthrose, Spondylose, eine Krümmung in der Wirbelsäule. Zum Glück war er ein sehr zierlicher Hund, so dass das Körpergewicht ihm nicht noch zusätzliche Probleme bringen konnte.

Vor ein paar Jahren bekam Max Blasensteine, seine Harnleiter drohte zu verstopfen. Zwei Operationen wurden nötig. Beide überstand dieser kleine tapfere Kerl, trotz der massiven Herzprobleme, hervorragend. Bei der 2. OP holte der Tierarzt 42!!! Blasensteine aus Max heraus und legte ihm eine 2. Harnröhre, so dass Max nun aus 2 Rohren feuern konnte!!! Vor jedem Spaziergang trank er sich auch immer noch schnell entsprechend viel "Munition" an. Der festgestellte Hodentumor wurde bei der 2. OP auch gleich mit entfernt. Aber vermutlich doch zu spät. Denn offenbar gab es doch noch Metastasen.

Freitagnacht würgte Max sein Fressen vom Abend fast unverdaut wieder heraus und wollte ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr fressen. Samstag schien bis zum Mittag alles ganz normal, Peter machte mit den 4 Hundesenioren einen langen Spaziergang und Max war wie immer. Ab dem Nachmittag baute er dann immer mehr ab. Sonntagmorgen fuhr Peter mit ihm zu einer befreundeten Tierärztin, die eine Magenblutung und beginnendes komplettes Nierenversagen diagnostizierte und ihn dementsprechend behandelte. Dann folgten einige Stunden mit viel Schlaf, dazwischen begann Max wieder selbständig zu trinken und pinkelte auch wieder. Die unmittelbare Lebensgefahr schien gebannt. Aber sie schien es eben nur. Denn ab dem frühen Abend verfiel Max immer mehr. Allerdings schien Max keine Schmerzen mehr zu haben und schlief fast nur noch. Laufen konnte er nicht mehr. Er verweigerte nun auch jede Flüssigkeitszufuhr, auch Nutrical nahm er überhaupt nicht mehr.

Die Nacht verlief ruhig. Am Morgen fuhr Peter dann mit Max zu unseren behandelnden Tierärzten. Ich hatte die wilde Hoffnung, dass dort in der Praxis bestimmt für Max noch etwas getan werden könne, damit er weiterleben kann. Max war ruhig, eigentlich zu ruhig, als dass meine Hoffnung irgendeine Berechtigung hätte haben können. Ich verabschiedete mich von Max – oder er sich von mir? Ich sagte ihm all das, was ich ihm unbedingt noch sagen wollte, dass er nicht aufgeben solle, dass er zu uns, zu mir wiederkommen werde, dass ich ihn liebe, dass wir alle ihn lieben und brauchen. Er sah mich an, mit seinen bernsteinfarbenen, wunderschönen Augen und mit einem ganz klaren Blick. Diesen letzten Blick werde ich nie vergessen. Und Max kam wieder, aber so ganz anders, als ich gehofft hatte. Die Tierärzte konnten nichts mehr für sein Überleben tun. Sie diagnostizierten einen Tumor und ein Versagen der lebensnotwendigen Organe. Ganz sanft ist Max in den Armen von Peter, seinem über alles geliebten Menschen, auf den Weg zum Regenbogenland gegangen und dort sicherlich inzwischen angekommen. Dort warten sie alle auf ihn, alle unsere vierbeinigen Liebsten und ganz besonders wohl Nadia. Nun hat sie ihn wieder, ihren Max.

Max war ein weises, großherziges, fantastisches Wesen, ein Hund, der immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird.


Max , ich vermisse Dich so sehr.


10. März 2008

 

Hannelore.

 


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Ein Kreis hat sich geschlossen.

 

Am elften März des letzten Jahres fuhr ich zum Krankenhaus. Mein Körper versagte den mir Anvertrauten seinen Dienst. Dies ist nun ein Jahr her. Ein Kreis hat sich heute geschlossen.

Ich kann mich noch gut erinnern. 1997 - Wir kamen zu einem alten, rostigen Gittertor. Dicht dahinter sprang er, angeleint an einen Pflock, hin und her, mit lautem, aufgeregten Bellen. Max, den ich vorher nur vom Bildschirm her kannte.

Ich kann mich noch entsinnen. Eine Leine von Kalle hatte ich an seinem ziemlich schäbigen Halsband befestigt, und ganz zaghaft und vorsichtig gingen Max und ich eine kleine Runde durch mir unbekanntes, sachsen-anhalter Terrain. Uns gegenseitig beäugend, wechselseitig rätselnd, was der jeweils andere denn so mitteilt. Seine Gewohnheiten und Bedürfnisse musste ich erst erkunden, erst erlernen. Schon bei diesem ersten Gang fühlte ich, daß da jemand ist, der alles möglichst richtig machen möchte, damit alles so bleibt, wie es jetzt gerade ist...

Ich kenne sie noch genau. Diese Erwartenshaltung von mir, daß irgendetwas aus seinem schlimmen Leben vor uns mal aus ihm herausbricht, daß er auf Mensch oder Tier mit der gleichen Heftigkeit und Bosheit reagiert, die ihm einst widerfuhr. Es dauerte seine Zeit, bis mir gewahr wurde, daß da nichts von Abwehr, Vergeltung, Rache in ihm ist, nur Frieden und eine ungebrochene Menschenfreundlichkeit. Er hatte nie spielen gelernt. Wenn er sich freute, sprang er im Kreis. Einem Kreis, der vermutlich genau den Radius aufwies, den die Kette, die er jahrelang getragen hatte, lang war. Antipathien zeigte er allenfalls bei Personen mit schwarzer Lederbekleidung, und bei Motorradhelmen.

Ich kann mich noch gut der Zeiten entsinnen, in denen die Notwendigkeit bestand, Max und Lisa mit zu meiner Arbeitsstelle zu nehmen. Eine Zeitlang wurde dies von der Geschäftsleitung geduldet. Lisa verdrückte sich meist in eine stille, ruhige Ecke, wo sie nicht gesehen wurde, sie jedoch beobachten konnte. Max jedoch war immer da, wo ich war. Und so war er's zufrieden. Irgendwann wurde, was Max richtig gut fand, nämlich mit mir zusammen zu sein (auch wenn ich mich kaum um ihn kümmern konnte), von anderen - sog. "Kollegen" - als eher störend empfunden. Man bemühte einige (fadenscheinige) Vorwände, um zu verdeutlichen, daß Hunde in einer Elektronik-Werkstatt nichts zu suchen hätten.

Ich habe die Bilder noch genau vor Augen. Urlaubsreisen ins Hochgebirge zusammen mit den Hunden. Wanderungen bis weit über das Schlaitner Tor hinaus, teilweise abseits aller Pfade, bei denen ich vielleicht die begrenzten Fähigkeiten von uns "Flachländlern" auf ignorante Weise überschätzte. Aber Max lief, kletterte, stieg jeden Weg mit, unermüdlich. Hatte sogar die Kraft und das Selbstbewußtsein, zusammen mit dem einheimischen Chef-Revierrüden der läufigen Pensionshündin nachzusteigen. Was sorgten wir uns bei stundenlanger Abwesenheit dieses Trios. Irgendwann fanden sie sich alle müde, zerzaust und glücklich wieder ein...

Sie ist mir noch gegenwärtig, diese ruhige, zurückhaltende Souveränität, mit der Max auf unseren zahllosen Spaziergängen anderen Menschen und Hunden begegnete. Ganz im Gegensatz zu Lisas oftmals kläffender Herumnerverei. Max hat es tatsächlich erreicht, alle Begegnungen mit noch so unverträglichen Artgenossen ohne ernsthafte Auseinandersetzungen zu überstehen.

Ich kann irgendwie noch mitfühlen. Das Leben von Max war oftmals erfüllt von Schmerzen. Sein schlimmes "Vor -" Leben hatte schlimme Verwüstungen in seinem Körper hinterlassen. Als Folge davon musste er einen nie enden wollenden Medikamenten-Cocktail ertragen, sich unzähligen Akupunkturen unterziehen. Und trotzdem gab es immer wieder Bewegungen, die ihn ob seiner schmerzenden Knochen und Gelenke zu bitteren Schmerzlauten trieben...

In mir ist immer wieder Rührung, wenn ich daran denke, mit welch heiterer Gelassenheit er immer die Neuankömmlinge bei den Hundesenioren empfing. Er als heimlicher Chef der Truppe war es wohl immer, der die "Neuen" informierte, der im Team mit den anderen die Stärken und Schwächen der Menschen analysierte, und die Hundetruppe dementsprechend perfekt aufstellte. Max, der es mit seiner einfachen, unnachahmlichen Art schaffte, selbst von unserer Super-Oma Nadia vergöttert zu werden...

Ich kann ihn immer noch bei mir fühlen. Der Schlafplatz von Max war immer bei mir. Meist bei mir auf dem Bett, selten suchte er sich mal eine andere Ecke in meinem Zimmer. Seine Anwesenheit war so selbstverständlich, daß ich mir noch nicht vorstellen kann, wie es zukünftig sein wird. Frici tat es ihm in der ersten Zeit seines Hierseins nach, und Max teilte bedenkenlos und mit Güte seinen Bett-Platz mit dem augenscheinlich bett-gewohnten Frici, und dies vom ersten Tage an.

Ich denke daran, wie Robbie bei uns ankam, und kann mir ein ganz leises Lächeln nicht verkneifen. Kurz nach dieser Ankunft gab es wohl eine mir nicht ersichtliche Meinungsverschiedenheit zwischen den Hunden; jedenfalls fing Max lautstark und energisch an, den armen Robbie "rundzumachen", der arme Kerl wurde immer kleiner... Max war eben immer der "heimliche Chef".

Ich weiß noch, wie Lucia zu uns kam. Ich war in Erwartung, sie sei fast völlig blind. Sie kompensierte vom ersten Tag an dieses Handicap, indem sie sich unserem Max anschloss. Max war mit seinem weissen Fell ihr "Leuchtturm" in einer sonst sehr diffusen Welt. Da Max wiederum meistens meine Nähe zu suchen pflegte, befand Lucia sich, vor allem in der Zeit ihrer "Eingewöhnung", in ziemlicher Sicherheit. So hatte ich draussen meist meinen weißen Schatten, Max hingegen seinen grau-schwarzen Schatten. Mit Lucias Eingewöhnung stieg auch ganz rapide ihr Selbstbewußtsein, dies änderte aber nichts an ihrer Anhänglichkeit zu Max.

Ich weiß nichts über die Situation vor einem Jahr, als ich ins Krankenhaus ging. Ich ließ Max zurück, der es nie anders gewohnt war, als von mir seine Nahrung zu erhalten, seine Medikamente zu erhalten. Er kannte es nicht, daß ich mehr als einen Tag nicht da war. Folgerichtig reagierte er mit Nahrungsverweigerung, mit der Weigerung, sich Medikamente verabreichen zu lassen. Die Situation war so schwierig, daß der Alltag ohne mich grenzenlos kompliziert wurde, daß Max darüber fast zu Tode kam...

Ich weiß natürlich von der Zeit danach. Irgendwann war ich wieder da. Max nahm wieder Futter an, ließ sich wieder die so notwendigen Medikamente verabreichen. Welche zu dieser Zeit noch nicht sichtbaren Schäden bei Max durch meine Abwesenheit entstanden, kann ich nicht wissen, nur ahnen. Lou verließ uns, nicht lange danach Nadia. Frici kam tragisch ums Leben. Ich war nach meiner Krankheit nie wieder der, der ich vorher gewesen war...

Heute, einen Tag, bevor sich der Tag meines Fortganges zum ersten Male jährt, ist auch Max von uns gegangen. Vorgestern waren wir noch auf einer langen, schönen Tour auf einer unserer Lieblingsrunden unterwegs. Max hatte in der Nacht zuvor den grössten Teil seiner Vorabends-Mahlzeit (augenscheinlich unzerkaut geschluckt und nicht verdaut) in zwei Schüben, sauber auf meinem Bett und auf dem Fußboden bei den Schreibtischen ausgebreitet, ausgespieen. Da dies bei Max, wenn er seine Portion hastig und ohne Kauen hinuntergefressen hatte, nicht ungewöhnlich war, machte ich mir darob keine weiteren Gedanken. Nachts darauf wollte er im Stundentakt immer wieder ins Freie. Er schien Schwierigkeiten mit dem Harnlassen zu haben. Am frühen Morgen lief er sehr taumelig und unkoordiniert. Er spuckte, kleine Mengen einer schokoladenfarbenen, übelriechenden Masse. Er setzte auch kleine Mengen schwarzen, dünnen Kots ab. Die Tierärztin im Sonntagsdienst befand auf Magen- und Darmblutungen, mit dem vorrangigen Ziel, diese Blutungen zu stillen. Um die augenscheinlichen starken Schmerzen zu lindern, wurde er etwas sediert. Der Tierarzt, der Max am besten kennt, stellte heute einen Tumor fest, der augenscheinlich Auslöser für diese akuten Folgeerscheinungen war.

Dank der Maßnahmen der Tierärztin am Sonntag hatte Max nach meiner Überzeugung in der ganzen Folgezeit wenigstens nicht leiden müssen. Heute hatten wir keine Wahl, als ihn auf den Weg zur Regenbogenbrücke zu schicken. Bei Tootsie und Kalle fand seine Hülle heute ihren letzten Platz.

So hat sich heute ein Kreis geschlossen. Ein Jahr, nachdem mein Leben in Gefahr war, haben vier der mir anvertrauten Mitgeschöpfe uns verlassen. Nie werde ich ermessen können, was mein Ausfallen damals zu diesen Todesfällen beigetragen haben mag. Lous Tod stimmte mich wegen der direkten Folge schuldbewusst; Nadias Tod machte mich unendlich traurig; Fricis Tod löst in mir immer noch Fassungslosigkeit aus. Nach dem Fortgang von Max bleiben Trauer, Hilflosigkeit und Verzagtheit zurück: Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll.

So vieles ist in Jahresfrist über uns hereingebrochen. Max fehlt mir so sehr.

 

 

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Danke, Nicky !

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